Stierkampf in Andalusien

Stierkämpfe sind mittlerweile ein  heikles Thema hier in Spanien. Denn nicht  nur, dass die Residenten auf die Barrikaden gehen, auch die Spanier selbst sind mittlerweile nicht mehr ganz so gut auf Stierkämpfe zu sprechen. Das Blatt wendet sich, wobei – und dafür könnt ihr mich jetzt steinigen – das Thema von beiden Seiten gesehen werden muss. Stierkämpfe sind hier Tradition und dies aus den Köpfen der Spanier, vor allem der „alten Spanier“ heraus zu bekommen, ist nicht ganz einfach. Jedoch wandelt es sich langsam und vor allem die junge Generation denkt um. Als erstes möchte ich euch aber ein wenig mehr über die Tradition und den Ablauf eines Stierkampfes erläutern.

Die Tradition der Stierkämpfe

Die erste Stierkampfarena wurde im Jahre 1749 gebaut und erstmals wurden im Jahr 1796 die Regeln in der Schrift Tauromaquia des Matadors José Delgado erfasst. Bis heute wird der spanische Stierkampf im Wesentlichen nach diesen Regeln durchgeführt. Im Jahre 1830 wurde von Pedro Romero die erste Stierkampfschule in Sevilla gegründet. Bereits im Mittelalter war der Stierkampf ein sehr beliebter Sport, der aber zu Pferde ausgetragen wurde. Sogar beim Militär wurde der Stierkampf celebriert, da so die Soldaten lernten, mit der Lanze umzugehen. Allerdings wurde dieser schnell von Papst Pius V. verboten, da er dieses blutrünstige Schauspiel nicht gut fand. Erst unter dem König von Spanien Joseph Bonaparte, dem Bruder von Napoleon I., wurde im Jahr 1808 wieder der Stierkampf eingeführt.

Der Ablauf der Corrida de toros

Ein Stierkampf besteht aus drei Teilen und wird von Hornsignalen „eingeläutet“. Zuvor jedoch präsentieren sich alle Beteiligten dem Publikum und ziehen in die Stierkampfarena ein. Dies nennt man den paseillo.

Der erste Teil – Tercio de Varas

Im ersten Teil wird der Matador ein Tuch, welches innen gelb und außen rot ist, verwenden. Dieses Tuch nennt man capote. In dieser Phase studiert der Matador praktisch den Stier und schaut sich die Verhaltensweise des Tieres an. Hier kann ein Matador bereits die Fähigkeiten des Stieres erkennen und sein Vorgehen für den letzten Teil, also der eigentliche Kampf, festlegen. Weiterhin sind ein oder zwei Lanzenreiter, genannt picadores, in der Arena, die bereits im ersten Teil den Stier mit ihren Lanzen im Bereich des Nackens verwunden.

Der zweite Teil – Tercio de Banderillas

Hier werden dem Stier von den Bandarillos drei Paare Spieße, die mit bunten Bändern versehen sind, in den Rücken gestochen. Dabei ist es entscheidend ob sie im Rücken des Stieres steckenbleiben oder nicht. Sie müssen so angebracht werden, dass sie dem Matador den Weg zu dem finalen Stoß nicht versperren, dabei aber die Muskeln des Stieres treffen, um ihn zu schwächen.

Der dritte Teil – Tercio de Muleta y Estocada

In der letzten Phase, die die Wichtigste im Stierkampf ist, ist der Matador nur noch mit einem kleinen dunkelroten Tuch, muleta, und dem Degen, estocada ausgestattet. Das letzte Drittel dauert in der Regel etwa acht Minuten und der Matador zeigt die unterschiedlichsten Figuren, bis er den Finalen Stich ausübt. Nicht unbedingt schön anzusehen, und das Umdenken beginnt mittlerweile. Zwar langsam, aber es kommt.

Die blutige Kultur neigt sich dem Ende

Schon lange fordern Tierschützer, dieses blutigen Kämpfe zu unterbinden. Es hat lange gedauert, aber langsam sehen es auch die Spanier ein. Die Jugend interessiert sich schon lange nicht mehr für Stierkämpfe und die Vielzahl der Touristen hegt auch eine Abneigung dagegen. Jedoch ist es aus den Köpfen der „Urspanier“ schlecht zu verbannen. Sie sind mit der Kultur aufgewachsten und kennen dies nicht anders. Aus diesem Grund ist es eben noch immer schwer, die Stierkämpfe ganz zu beenden. Doch immer mehr Provinzen verbieten den Stierkampf oder bieten andere Alternativen wie etwa den „Stiertanz“ an. Hier wird mit dem Stier in der Arena getanzt und es passiert ihm überhaupt nichts, er kommt also nicht zu Schaden. Dieses Schauspiel habe ich zwar leider selbst noch nicht gesehen, aber viel davon gehört. Sollte ich es einmal schaffen, zu einem solchen Event zu kommen, berichte ich natürlich darüber. Denn leider findet es nicht in jeder Region statt und mann muss auch kräftig suchen, um irgendwelche Informationen darüber zu bekommen.

Alle Bilder wurden mir von Isabel Müller zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank!!!

2 thoughts on “Stierkampf in Andalusien

  1. Der Stierkampf in Spanien ist in der Tat ein heikles Thema. Was mich oftmals bei den Diskussionen mit Deutschen nervt ist, dass sie oft kaum etwas über den Stierkampf wissen, dafür aber zahlreiche pauschalisierte Vorwürfe. Und wenn sie das Argument der Tierquälerei vorbringen und man sie nach ihrem Fleisch-Konsumverhalten fragt, es oft sehr dünn ausschaut. Das ist kein Votum für den Stierkampf, aber wer den Stierkampf anklagt, sollte sich und sein Verhalten erst einmal selbst gehörig in Frage stellen, anstatt immer nur auf die anderen mit den Finger zu zeigen.

    1. Das sehe ich genauso. Ich heiße den Stierkampf auch nicht für gut, aaaber es ist nun einfach eine lange Tradition, die aus den Köpfen erstmal raus muss. Dass das nicht von einem auf den anderen Tag geht, ist klar. Und sind wir doch mal ehrlich, Tierschutz hin oder her, da wird teilweise ganz schön übertrieben. Die Hunde werden zu Tode gebadet, dass sie ja keine Bakterien mehr an sich haben, die Tiere werden zu veganern gemacht, weil Frauchen das so will (dabei stammt Hund vom Wolf ab und sollte sich hauptsächlich von Fleisch ernähren). Interessiert aber keinen.. die sollen erstmal alle vor ihrer eigenen Türe kehren und sich dann erst informieren, bevor sie laut auf Traditionen von anderen schimpfen. Wie gesagt, ich finde das nicht gut und die Tiere tun mir echt sehr leid, aber der Umbruch ist da – er ist in vollem Gange und das ist gut so!

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