Ausgewandert nach Kalifornien – Interview mit Nadja

Das heutige Interview habe ich mit Nadja gemacht, die in die nach Kalifornien ausgewandert ist. Auch noch ein Frischling, wie wir 🙂 Natürlich könnt ihr auch gerne ihrem Blog folgen, den ihr unter http://faraway42.com/category/nadja findet. Hier gibts zahlreiche Infos rund um das Leben in Kalifornien und das Erlebte. Klickt euch also mal rein und schaut, was Nadja so alles in Kalifornien erlebt.



1. Wann bist du ausgewandert?
2015

2. Wohin bist du ausgewandert?
Silicon Valley, California, USA

3. Warum bist du ausgewandert, welche Beweggründe hattest du?
Wir versprechen uns von diesem Schritt langfristig eine bessere berufliche Perspektive. Es ging uns auch in Deutschland gut. Viele vergessen, wer es in seiner Heimat nicht wirklich schafft, sich über Wasser zu halten, wird es auch im Ausland nicht hinbekommen. Wir hatten dieses Angebot und uns war klar, wir werden einmalige Eindrücke sammeln – beruflich und privat. Daher nahmen wir direkt an.

4.Wie bist du am Anfang mit der Mentalität und der Sprache klar gekommen?
Ich spreche gutes Englisch. Aber die vielen Dialekte, Kulturen machen es mir oft schwer, die Aussprache vor Ort zu verstehen. Die Leute fragen Dich was komplett einfaches an der Kasse und ich verstehe kein Wort. Teilweise schon akustisch. Man muss schon damit klar kommen, dass die Leute einen manchmal für “etwas beschränkt” halten. Zumindest sagen das die leicht mitleidigen Blicke. Ich habe daraufhin sehr viel TV geschaut, Zeitschriften gelesen und regelrecht studiert, um in die Aussprache und in den Slang reinzukommen. Ohne Sprache kann man es einfach vergessen.
Die Mentalitätsfrage ist da schon eine ganz andere. Viele Deutsche tuen immer so, als wenn alle Amerikaner ja sooo freundlich seien. Ja, das sind sie meist beim allerersten Kontakt. Da bist Du meist zahlender Kunde. Je öfter man sie trifft, umso mehr bröckelt diese Fassade des ewig freundlichen, liebenswürdigen Amerikaners ganz schnell… Damit kann man als Deutscher gut klarkommen. Aber viele fallen eben doch aus allen Wolken, wenn hier ihr Gegenüber plötzlich nicht mehr so liebenswürdig ist.
Freunde finden ist in jedem Land schwer. Man muss hart daran arbeiten, das Vertrauen von Menschen zu gewinnen. Da gehört auch viel Anpassung dazu. Aber es geht.

5. Was hast du getan, um dich in der neuen Heimat zurechtzufinden, Freunde zu finden und Anschluss zu bekommen?
Zum einen sind da natürlich Arbeitskollegen, die man aktiv ansprechen sollte. Dann gehen wir auf viele öffentliche Feste und Feiern. Hier kommt man eigentlich immer ins Gespräch. Es bleibt einem nichts anderes übrig. Man muss aktiv werden. Engagiere Dich in Deiner Nachbarschaft. Gehe aktiv auf Communities zum Beispiel auf Facebook zu. Man trifft Menschen. Ob sie Freunde werden, ist eine Frage der Zeit.

6. Hast du es je bereut in einem fremden Land einen Neuanfang zu machen?
Nein. Wir können immer wieder zurück. Jeder Tag, der mich Neues erleben lässt, ist eine Bereicherung. Es ist nicht immer leicht und wir schimpfen schon auch mal ganz ordentlich. Vieles geht schief oder klappt einfach gar nicht. Aber das kann mir überall auf der Welt passieren. Auch in Deutschland. Es liegt ganz alleine an uns selbst, ob wir glücklich werden oder nicht.

7. Hat sich alles so gestaltet, wie du es dir vorgestellt hast?
Nein. Bei weitem nicht. Aber es haben sich eben andere Optionen gestaltet, die ich mir nicht vorgestellt habe. Und ja, auch mit diesen Optionen kann ich gut leben. Ich konnte mir auch in Deutschland keine Traumvilla am Strand leisten und habe es von Kalifornien nie erwartet. Wenn es irgendwann doch so weit ist, freue ich mich. So lange arrangiere ich mich eben mit den Gegebenheiten – so komisch oder unzufriedenstellend sie eben manchmal auch sein mögen. Es geht halt nicht anders. Und wenn wir es irgendwann satt haben, geht es eben woanders hin.

8. Was vermisst du wirklich an Deutschland?
Kein Brot. Aber wir haben einen wahnsinnig hohen Servicestandard. Gut. Hier lächelt mich die Verkäufern freundlich an und hält einen langen Smalltalk über Belangloses mit mir, weil sie sonst ihren Job traurigerweise verlieren könnte… Aber in Deutschland bekomme ich Briefe innerhalb eines Tages, die auch wirklich mir zugestellt werden und nicht “irgendwo” landen. Bei uns funktioniert vieles so einfach und so gut, wie Banküberweisungen, Stromanbieter wechseln oder eine Bonuskarte im Supermarkt zu beantragen. Das ist in den Vereinigten Staaten entweder komplizierter, dauert länger oder ist an bestimmte Vorgaben gekoppelt, die man nicht direkt erfüllt.

9. Und was vermisst du gar nicht?
Das graue Wetter. Aber vielleicht kommt noch die Zeit, wo ich mich nach einem schönen Gewitter sehne.

10. Was findest du so toll in deiner Wahlheimat?
Es ist die Natur, die Landschaft. Alles andere ist zwar leicht anders, aber Supermarkt ist Supermarkt, Arbeit ist Arbeit. Aber der blaue Himmel, die mir völlig unbekannte Flora und Fauna begeistert mich. Neue Blumen und Bäume entdecken. Das Meer, in dem plötzlich Delfine vor Dir auftauchen. Es ist herrlich.

11. Was gefällt dir überhaupt nicht?
Ich verstehe vieles nicht. Als sozialer Mensch bricht es mir das Herz, wenn ich lese, dass Nevada zum Beispiel die Frechheit hat, seine geistig behinderten oder obdachlosen Einwohner in Busse zu packen und regelrecht in Kalifornien auszusetzen – nur um Kosten zu sparen. Das ist grausam! Nun verklagen sich zwei Bundesstaaten. Undenkbar in Deutschland!

12. Würdest du wieder zurück nach Deutschland gehen?
Ja.

13. Warum?
Vieles funktioniert wunderbar in Deutschland. Man weiß nie, was im Leben noch kommt. Schließlich leben dort unsere Familien und Freunde. Sollte es notwendig sein, kommen wir zurück.

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