Fast ein Jahr liegt nun hinter uns im schönen Lubrin

Es sind nur noch ein paar Wochen, dann können wir tatsächlich schon unser Einjähriges hier in Lubrin feiern. Man soll nicht glaube, wie schnell die Zeit vergeht und deshalb ziehe ich mal ein Resümee und habe mir mal Gedanken gemacht, was hier in Andalusien gut ist und was ich nicht so toll finde. Haben wir das Richtige gemacht, indem wir unser altes Leben komplett hinter uns gelassen haben oder nicht?

Vorteile in Lubrin bzw. Andalusien

  1. Ganz klar das Wetter. Wenn ich so sehe, wie die letzten Wochen in Deutschland waren, kann ich mir das gar nicht mehr so wirklich vorstellen. Denn hier ist fast immer schönes Wetter und wir genießen es in vollen Zügen. Einfach mal im Januar ans Meer fahren und wer schmerzfrei ist, kann sogar in die Fluten springen. In Deutschland undenkbar!
  2. Die Kinderfreundlichkeit ist hier definitiv vorhanden und ich genau deshalb bin fühle ich mich hier sehr wohl.
  3. Die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen ist ebenfalls sehr positiv und hier gehört man einfach dazu. Natürlich mag das in der Stadt anders sein, aber wir haben uns ja auch bewusst für ein Dorf entschieden!
  4. Die Leute kennen uns mittlerweile uns sogar in unserer Stamm-Tapasbar dürfen wir anschreiben lassen 🙂 Obwohl die ja eigentlich 30 km von uns weg ist und wir nur ein- oder zweimal die Woche dort sind. Aber wenn es halt gerade nicht mit dem Wechseln klappt, dann zahlst hast das, was du noch an Kleingeld hast und der Rest wird einfach angeschrieben 🙂 Alles kein Problem.
  5. Das Leben ist einfach wieder lebenswert. Wir müssen hier zwar verdammt viel arbeiten, aber es macht deutlich mehr Spaß. Denn hier hat man am Ende noch etwas übrig und muss nicht bei jedem Einkauf überlegen, ob man es sich überhaut leisten kann. Natürlich verdienen die Menschen hier weniger, viel weniger. Die Lebensmittel kosten etwa so viel wie in Deutschland, aber die Mieten sind um einiges günstiger. Außerdem bringen Nachbarn oder Bekannte Obst, Gemüse, Eier und alles was sie im Endeffekt zu viel geerntet haben. Und das auch noch, ohne etwas zu erwarten! Sie wollen dir einfach etwas Gutes tun. Außerdem sind unsere Lieblingsspeisen definitiv günstiger – Serano-Schinken, Garnelen und Fisch…. Da kann man auch dreimal die Woche Garnelen in Knobiöl machen, ohne dabei arm zu werden 🙂 

Es gibt aber auch ein paar Nachteile in Lubrin

  1. Als erstes fehlen mir meine Tochter, ganz klar, und meine Familie und die Freunde. Und naja mit der Sprache hapert es eben gewaltig. Wir haben hier wirklich sehr liebe Freunde gefunden und Kaffeeklatsch gibt es auch hier – logisch. Aber es ist eben etwas anderes, ob du in einer fremden Sprache versuchst dich zu artikulieren oder eben in der Muttersprache. Wir sind auch viel mit unseren Freunden unterwegs, aber nach zwei Stunden ist dann bei mir einfach ENDE – ich bin geschafft und total müde. Oft klinke ich mich dann für ne Weile aus und sage das dann auch, dass ich jetzt eine Pause brauche, da ich einfach leer bin im Kopf. Es ist sehr schön aber auch verdammt anstrengend.
  2. Es geht nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte…. Klar ist es schwer eine fremde Sprache zu lernen, vor allem auch, wenn man nicht mehr zu den Jüngsten zählt. Aber, dass es so schwer ist, hätte ich nicht gedacht. Das Problem dabei ist wohl auch, dass ich ja dann Ansprüche an mich selbst stelle und mich in ganzen Sätzen ausdrücken möchte. Was natürlich – und das weiß ich auch – absoluter Blödsinn ist. Mein Mann macht das schon richtig. Er wirft den Spaniern ein paar Worte hin und die formulieren sich den Satz dann eben selbst zusammen 🙂 Das klappt sehr gut. Nur ich trau mich dann nicht so und schicke dann mehr oder weniger meinen Mann vor. An manchen Tagen bin ich dann so gefrustet, dass ich mich weigere weiter Spanisch zu lernen, ich trau mich ja doch nicht den Mund aufzumachen. Aber doch, natürlich lerne ich weiter und es klappt auch von Tag zu Tag ein bisschen besser – aber es ist schon sehr frustrierend, das muss ich ja nun doch zugeben.
  3. Die Nachrichtenübermittlung hier im Dorf ist leider etwas gewöhnungsbedürftig. Naja, ich will nicht sagen, dass es mich stört, man gewöhnt sich an alles. Allerdings erfährt man erst zwei Tage vorher, wenn eine Veranstaltung ist, wenn die Kids mit der Schule einen Ausflug machen oder auch wann das Schwimmbad im Dorf endlich öffnet. Alles Dinge, die man so von Deutschland gar nicht gewohnt ist. Hier wurde der Schulausflug schon Wochen vorher geplant und mitgeteilt und in Lubrin ist es eben zwei Tage davor 🙂
  4. Die Feste, also die Fiestas fangen hier alle sehr spät an. Vor 23 Uhr passiert hier meist nix, aber dann geht’s los. Tolle Sache an sich, wenn man ohne Kind ist. Aber mit Zwerg, auch wenn er schon fast 9 Jahre alt ist, ist es verdammt spät und zu dieser Zeit ist er meist auch schon total müde. Also fallen für uns die meisten Feste aus, was aber auch ok ist. Trotzdem will man sich das ja mal anschauen 🙂
  5. Natürlich gibt es in Andalusien viele Nachteile, wie zum Beispiel die Politik, die Ausbeutung der Arbeiter etc. Das würde hier natürlich den Rahmen sprengen. Außerdem hört man viel, weiß nicht wirklich etwas, weil es einfach noch zu schwierig ist sich selbst über die Medien oder durch Diskussionen ein Bild zu machen. Daher lasse ich dies natürlich hier weg.

 

Fazit nach fast einem Jahr Lubrin

Wie ihr seht, sind die Nachteile fast nur Kleinigkeiten, mit denen man gut leben kann – wir zumindest. Dass meine Tochter in Deutschland ist, ist hart – natürlich. Aber sie kommt ja alle paar Monate auf Besuch und wir haben täglich Kontakt. Meine Freunde – natürlich fehlen die auch, aber auch wir haben ständig Kontakt und ich bin davon überzeugt, dass das auch nicht einschläft – es sind eben Freunde! Die anderen Dinge sind eben so und die nehme wir als gegeben hin. Wir sind also nach wie vor total zufrieden hier und haben noch keine Sekunde bereut, diesen Schritt gegangen zu sein. Auch unser Sohnemann hat sich hier sehr gut eingelebt, hat wie in Deutschland ein sehr gutes Zeugnis und ist rundum zufrieden hier. Freunde hat er auch schon gefunden und will auch nur noch nach Deutschland, um Oma und Opa zu besuchen 🙂

Dieser Schritt war für uns genau richtig und ich kann mir jetzt schon nicht mehr vorstellen in Deutschland zu leben und möchte es auch eigentlich gar nicht mehr. Wir haben also alles RICHTIG gemacht 🙂

 

 

 

 

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