Vor 3 Jahren nach Spanien ausgewandert




Heute gibt es, wie im letzten Jahr auch, einen kleinen Rückblick von mir. Wir sind heute genau vor 3 Jahren nach Spanien ausgewandert und bereuen immer noch keine Sekunde davon. Das hat sich also noch nicht geändert. In der Zwischenzeit waren wir in Deutschland auf Urlaub, aber nach zwei Wochen waren wir wirklich froh, wieder zu Hause zu sein. Deutschland war schön, weil wir die Familie gesehen haben, aber das war es auch schon. Das Leben ist anders und wir können uns damit einfach nicht mehr identifizieren. Und auch das ist im letzten Jahr passiert.

Hiobsbotschaft aus Deutschland

Wie ja viele schon mitbekommen haben, hatte meine Mama einen Schlaganfall. Dies sind natürlich die Momente, wo ich lieber in Deutschland wäre. Das war uns durchaus bewusst, wie wir nach Spanien ausgewandert sind, doch das verdrängt man ganz gerne mal. 

Es war zwar ein schwerer Schlaganfall, aber nach knapp einem Jahr ist Mama fast wieder fit, wir ihr sehen könnt :). Die wenigen Einschränkungen kann man gut und gerne verkraften – es hätte viel schlimmer kommen können. Dies hatte natürlich zur Folge, dass ich seit letzten August mehrmals in D war.

Der erste Besuch war komisch. Ich versuchte ständig mich in den Läden auf Spanisch zu verständigen und habs einfach nicht gebacken bekommen „Guten Tag“ zu sagen. „Hola“, wenn ich einen Laden betrat, war für mich einfach vollkommen normal. Kaffee bestellen ging eh nur in Spanisch und alle haben mich angeguckt wie ein Auto. 🙂 Beim zweiten Besuch in Deutschland hat das aber besser geklappt.

Haussuche hinter den Bergen bei den sieben Zwergen

Nachdem wir irgendwann beschlossen hatten, uns nach einem größeren Haus umzuschauen, mussten wir feststellen, dass es gar nicht so einfach war. Hier im Hinterland wird alles verscherbelt, vermietet hingegen kaum. Trotzdem konnten wir durch einen glücklichen Zufall jemand ausfindig machen, der ein Haus mit 5 Schlafzimmern vermietet. Wow, das wäre perfekt. Nachdem der Kontakt hergestellt war, wurde der Mietvertrag innerhalb kürzester Zeit unterschrieben, was hieß, dass wir im November/Dezember umziehen.

Hier in Spanien ist es normal, die letzte Miete nicht mehr zu zahlen – dafür wird dann die Kaution genommen. Unser damaliger Vermieter fand natürlich gar nicht gut, dass wir nicht bleiben wollen, da das Haus vorher schon einige Jahre leer war und sich kein Mieter finden ließ. Nachdem er uns dann, wenn wir bleiben würden, die Hälfte der Miete erlassen wollte, war für uns klar – wir haben zwei Jahre viel zu viel gezahlt. Nicht schön, aber ok. Damit muss man einfach leben und auch das ist Spanien, aber wir lieben es – so wie es ist.

Meine Tochter zieht nach Spanien

Meine Hübsche hat es nicht länger ohne Mama ausgehalten. Ist aber auch verständlich. Papa lebt in der Schweiz, Mama in Spanien und Oma ist auch 350 km weg. Also nicht gerade in der Nähe. Meine Süße war eben auch schon immer etwas anders mit ihren Rastas und grünen Haaren und naja, die Deutschen haben damit ein Problem. Sie wird in eine Schublade gesteckt und kommt da nicht mehr raus.

Hier in Spanien ist das zum Beispiel kein Problem. Klar, dass sie nicht in einem Nobelschuppen arbeiten kann. Aber trotzdem wird hier alles etwas entspannter gesehen. Es ist ihr Leben und ich finde es toll, dass sie sich von keinem reinreden lässt. Ich bin stolz auf mein Kind, dass sie sich, trotz der Vorurteile, immer so toll durchs Leben geschlagen hat. Aber jetzt hat sie ja Mama an ihrer Seite, da sie auch nach Spanien ausgewandert ist und wird hier mit Sicherheit glücklicher – ist sie auch und schon nach 2 Monaten war klar – Deutschland nur noch als Notlösung!

Der Umzug ins neue Heim

Der Umzug ging recht schnell über die Bühne, weil wir ja keine Möbel hatten, da hier die Häuser fast immer möbliert sind. Klar hat das den Nachteil, dass man eben das nehmen muss, was kommt. Aber mit ein wenig Kreativität kann man doch einiges machen. Das schiebe ich aber brav bis Herbst, wenn es nicht mehr so heiß ist.

Wir sind in dieser kleinen Gemeinschaft sofort herzlich aufgenommen worden und die Nachbarn boten uns direkt ihre Hilfe an. Hier auf der Anhöhe sind insgesamt 7 Häuser mit etwa 20 Nachbarn, also klein und fein. Außerdem haben wir hier sofort einen 83-jährigen Nachbarn als Opa adoptiert, der fast jeden 2. Tag auf einen Kaffee kommt und Neuigkeiten erzählt, Eier, Migas, Pan oder auch Feigen bringt und uns immer über die Neuigkeiten informiert. Außerdem steht er uns bei Pflanzenfragen immer mit Rat und Tat zur Seite und legt auch selbst Hand an. Ein ganz lieber Opa, den wir sofort ins Herz geschlossen haben.

Schneeeeeee, seit über 60 Jahren hat es plötzlich geschneit

Das war der Hit schlechthin. Ich war leider nicht da, sondern in Deutschland bei meinen Eltern. Dafür war aber mein Schwiegervater da, der Urlaub in der Sonne machen wollte. Ups, ich glaube, der hatte das schlechte Wetter mitgebracht. 🙂 Die Kids hatten natürlich ihren Spaß, auch wenn der Spuk nur über Nacht war. Hier in Rambla Aljibe, wo wir jetzt wohnen, hat es vor 60 Jahren das letzte Mal geschneit. Das heißt schon was! Wir haben uns tatsächlich gefragt, ob wir nach Spanien ausgewandert sind oder doch nach Sibirien – es war echt richtig kalt im Winter hier.

 

2 Wochen auf Urlaub in Deutschland

Ich war es ja schon gewohnt, aber für meine beiden Männer war es, seit zwei Jahren, der erste Deutschlandurlaub. Die ersten Tage waren echt schön, aber schon nach 4 Tagen schlich sich das Heimweh ein. Das Wetter war durchwachsen, wobei wir auch den Regen genossen haben, aber die Menschen sind alle so mürrisch, gestresst und irgendwie immer schlecht gelaunt. Das sind wir nicht mehr gewohnt. Die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Spanier ist einfach so überwältigend, dass man sich das gar nicht mehr vorstellen war, wie es in Deutschland war. Das ist dann fast wie ein Schock, wenn man den Stress erlebt, mit dem die Menschen durch die Städte hetzen. Entsprechend sind sie natürlich auch gelaunt, was ja auch verständlich ist.

Das vermisse ich nach 3 Jahren in Spanien

Wenn ich ehrlich bin, vermisse ich nicht viel, seitdem wir nach Spanien ausgewandert sind. Ich habe hier alles, was ich brauche. Schönes Wetter, gutes Essen, nette Leute, Strand, Meer und Gelassenheit. Das Einzige, was ich wirklich vermisse, ist eine Freundin, das muss ich ganz ehrlich zugeben.

Wir haben zwar schon viel Spanisch gelernt, und naja ein Small Talk geht prima, aber wenn es tiefer geht, dann ist eben Schluss, dafür reicht es einfach nicht. Zudem sind die Spanier natürlich auch Familienmenschen. Hier spielt sich fast alles in der Familie ab und somit ist es natürlich auch schwer, Anschluss zu finden. Zum kurzen Small Talk sind sie sehr offen, dann aber muss man schon gut Spanisch können, um Anschluss zu finden. Das ist natürlich auch der Nachteil, wenn man – wie wir – zu Hause arbeitet.

Naja, Deutsche gibt es nicht so viele hier, was auch gut so ist und von uns gewollt war und der Großteil der Engländer scharrt sich meist auch zusammen und wollen weder mit Spaniern noch mit Deutschen etwas zu tun haben, womit ich kein Problem habe.

 

Dennoch fehlt mir halt einfach jemand, zu dem ich mal schnell auf nen Kaffee fahren und ein bissi quatschen kann. Meine Freundin lebt leider zu weit weg hier – wobei 80 km für hiesige Verhältnisse ja keine Strecke sind. Wenn man bedenkt, dass wir 30 km fahren müssen, um einkaufen zu gehen. 🙂

Das ist eben ein Nachteil, wenn man bei den sieben Zwergen wohnt. Doch wir lernen eifrig Spanisch und es kann nur besser werden. Trotzdem, auch wenn mir eine Freundin oder Bekanntschaften hier ein wenig fehlen, bin ich nach wie vor rundum glücklich und möchte hier auch nicht mehr weg. Natürlich weiß ich nicht, was die Zukunft bringt und ob es uns nicht doch irgendwann wieder nach Deutschland verschlägt. Zum jetzigen Zeitpunkt aber kann ich mir das überhaupt nicht vorstellen und dass wir nach Spanien ausgewandert sind, war das BESTE, was wir tun konnten.



2 thoughts on “Vor 3 Jahren nach Spanien ausgewandert

  1. Rambla Aljibe, ich glaube, da sind wir schon mit den Motorrädern durchgefahren bzw. haben in dem schönen Restaurant Lopez gegessen. Eine wunderschöne Gegend bei Euch. Freue mich schon auf Oktober, dann geht es wieder nach Andalusien. Viele Grüße aus dem – wieder einmal -regnerischen Deutschland!

    1. Hallo Monika,
      ja genau die Bar Lopez. Hier gibts leckeres Essen und gute Portionen. Wenn ihr etwas ganz leckeres wollt, solltet ihr mal nach dem frittierten Gemüse mit Honig fragen… Dafür lasse ich alles andere stehen. Auberginen und Zucchini im Backteig frittiert und darüber wird dann ein wenig Honig gegeben. Einfach nur genial!!!! Solltet ihr wieder in der Ecke sein, meldet euch mal.

      Liebe Grüße
      Stephie

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